Website-Relaunch ohne Rankingverlust: die Checkliste
Die neue Website ist schöner, schneller, besser, und drei Wochen nach dem Livegang sind die Google-Positionen weg. Dieses Drama ist vermeidbar, wenn man eine Handvoll Punkte abarbeitet.
Warum Relaunches Rankings kosten
Google bewertet nicht Ihre Website als Ganzes, sondern einzelne Adressen. Jede Unterseite hat sich über Jahre Vertrauen aufgebaut: durch ihr Alter, ihre Inhalte und durch Links, die von anderen Seiten auf genau diese Adresse zeigen. Beim Neubau ändern sich fast immer die Adressen, und wenn die alten dann ins Leere laufen, ist das aufgebaute Vertrauen nicht umgezogen, sondern gelöscht. Der Rankingverlust kommt also nicht vom neuen Design, sondern von gekappten Adressen. Genau da setzt die Checkliste an.
Vor dem Relaunch: Bestandsaufnahme
Erster Schritt: eine vollständige Liste aller alten Adressen. Die bekommen Sie aus der Google Search Console, aus der Sitemap der alten Seite und zur Sicherheit aus der Wayback Machine, falls die Seite schon länger vernachlässigt wurde. Zweiter Schritt: herausfinden, welche dieser Adressen wertvoll sind. In der Search Console sehen Sie, welche Seiten Klicks bringen, und ein Backlink-Check zeigt, auf welche Adressen andere Websites verlinken. Diese Seiten sind Ihr Tafelsilber und verdienen beim Umzug besondere Sorgfalt.
Dritter Schritt, gern vergessen: Prüfen Sie, welche Inhalte ranken, bevor Sie sie beim Neubau zusammenstreichen. Wenn die alte Leistungsseite mit tausend Wörtern auf Position vier steht und die neue nur noch drei schicke Absätze hat, verlieren Sie die Position auch mit perfekten Weiterleitungen. Kürzen ist erlaubt, aber wissentlich, nicht aus Versehen.
Beim Umzug: Weiterleitungen sind alles
Jede alte Adresse bekommt eine dauerhafte Weiterleitung auf ihre neue Entsprechung, im Fachjargon eine 301-Weiterleitung. Wichtig ist die Präzision: Die alte Leistungsseite zeigt auf die neue Leistungsseite, nicht pauschal auf die Startseite. Solche Sammelweiterleitungen behandelt Google wie Fehlerseiten, und der Wert verpufft. Für eine typische Unternehmensseite aus der Region reden wir über zehn bis fünfzig Zeilen Konfiguration, das ist Fleißarbeit von einer Stunde, die über Jahre aufgebaute Sichtbarkeit rettet.
Beim gleichen Termin gehören die Basics geprüft: Läuft die Seite unter genau einer Domain, mit Verschlüsselung, ohne www-Durcheinander? Ist der Baustellen-Schutz entfernt, der Suchmaschinen während der Entwicklung ausgesperrt hat? Der vergessene Haken „Suchmaschinen fernhalten“ ist der Klassiker unter den Relaunch-Pannen und kostet im Zweifel Wochen.
Nach dem Livegang: kontrollieren statt hoffen
Direkt nach dem Umzug reichen Sie die neue Sitemap in der Google Search Console ein und behalten dort zwei Berichte im Auge: die Abdeckung, die zeigt, welche Seiten Google kennt, und die Fehlerliste, in der aufgerissene Adressen auftauchen. In den ersten vier Wochen lohnt ein wöchentlicher Blick. Kleinere Schwankungen der Positionen sind nach einem Relaunch normal und beruhigen sich, wenn die Hausaufgaben gemacht sind, meist innerhalb weniger Wochen.
Ein Sonderfall, den wir in der Eifel öfter sehen: der Relaunch nach Jahren des Stillstands, manchmal verbunden mit einem Anbieterwechsel, bei dem niemand mehr Zugänge zur alten Seite hat. Auch dann gilt: erst die alten Adressen sichern, dann abschalten. Die Wayback Machine und ein Backlink-Tool rekonstruieren notfalls, was verloren schien.
Der richtige Zeitpunkt für den Umzug
Wenn Sie den Termin frei wählen können, legen Sie den Livegang in eine ruhige Geschäftsphase und auf einen Wochenanfang, nicht auf Freitagnachmittag. Sollte etwas klemmen, sind alle erreichbar, und die stillere Zeit verzeiht die kurze Übergangsphase, in der Google die neuen Adressen einliest. Für Hotels und Gastronomie in der Region heißt das konkret: nicht mitten in den Sommerferien und nicht vor Feiertagswochenenden umziehen.
Die Checkliste kompakt
- Alle alten Adressen erfassen (Search Console, Sitemap, Wayback Machine)
- Wertvolle Seiten identifizieren: Klicks und eingehende Links prüfen
- Rankende Inhalte nicht unbedacht kürzen
- Jede alte Adresse einzeln auf die neue Entsprechung weiterleiten
- Eine Domain, Verschlüsselung, Baustellen-Schutz entfernt
- Neue Sitemap einreichen und vier Wochen lang die Fehlerberichte prüfen
Bei unseren Projekten gehört diese Liste fest zum Webdesign, im Premium-Paket der Website-Pakete sind die Weiterleitungen ausdrücklich enthalten. Wenn Ihr Relaunch schon passiert ist und die Positionen fehlen: Je schneller die Weiterleitungen nachgezogen werden, desto mehr lässt sich zurückholen.
Update vom 21. Juli 2026: Ergänzung aus aktuellem Anlass: Beim Relaunch gehören heute auch die KI-Crawler mitgedacht. Eine llms.txt und strukturierte Daten sorgen dafür, dass ChatGPT, Perplexity und Googles KI-Übersichten die neue Seite korrekt lesen. Und eine Warnung aus der Praxis: Wer sich die Weiterleitungsliste komplett von einer KI generieren lässt, bekommt beeindruckend plausible Regeln, die im Detail falsch sein können. KI beschleunigt die Fleißarbeit, die Kontrolle jeder einzelnen Weiterleitung bleibt Handarbeit, sonst war der ganze Aufwand umsonst.
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